Fegefeuer, Himmel und Hölle: Was ist das eigentlich?

Im Himmel frohlocken die Engel, im Fegefeuer brennen die Sünder und in der Hölle schmoren die Unverbesserlichen? 

Auch wenn es sicher den einen oder anderen Katholiken gibt, dessen Jenseitsvorstellung in diese Richtung geht, so lehrt der Katechismus der katholischen Kirche im Grunde etwas ganz anderes: Laut Kirchenlehre sind nämlich weder das Fegefeuer noch der Himmel und schon gar nicht die Hölle als eine greifbare Örtlichkeit zu verstehen. 

Die physische Vorstellung der jenseitigen Welt ist wohl das Resultat einer so nie gewollten bildlichen Übertragung der katholischen Glaubenswahrheiten. Die katholische Kirche lehrt zwar die Realexistenz der Hölle als ewige Seelenpein, aber eben keinesfalls als Ort der körperlichen Qualen – denn, und da sind sich die Theologen einig: Eine körperliche Pein ohne Korpus kann es gar nicht geben. 

Salopp gesagt: Wo kein Körper, da auch keine körperlichen Qualen. 

Ja, aber was sind Fegefeuer, Himmel und Hölle denn dann?

Fegefeuer, Himmel und Hölle – ein erfahrbarer Seelenzustand


Ohne um den heißen Brei zu reden, will der Katechismus und damit die Glaubenslehre der Katholiken seinen Gläubigen auf die Frage, was denn nun Fegefeuer, Himmel und Hölle nun sei, eine mindestens so schlagfertige wie einleuchtende Antwort geben: 

Fegefeuer, Himmel und Hölle sind keine Orte, sondern Seelenzustände. Aha. Seelenzustände also. Und wie ist das im Konkreten zu verstehen?

Fegefeuer, Himmel und Hölle als persönliches Universum


Zusammengefasst könnte man sagen: „Ohne einen physischen Leib ist die menschliche Seele ihrer von außen einströmenden Sinneseindrücke beraubt. Da gibt es nichts mehr zu sehen, zu spüren oder zu hören. Was bleibt, ist der eigene, erfahrbare Seelenzustand. Und der kann reinigend, himmlisch oder eben auch höllisch sein.“ 

Die Kirche lehrt also keinesfalls Orte, an die Gott die Seelen nach ihrem körperlichen Tod verweist. Sie versucht vielmehr zu erklären: „Die Seele wählt ihren Aufenthaltsort aufgrund ihres geführten Lebenswandels selbst. Menschen, die sich schon zu Lebzeiten nicht für ihre Mitmenschen interessierten, werden wohl auch nach dem Tod kein Interesse an einem trauten Miteinander haben. Wie auch? Sie wissen ja gar nicht, was das ist. Sie haben diese Erfahrung schlicht nie gemacht. Diese in ihrem vollen Umfang ausschließlich auf sich selbst bezogene Lebensführung führt unweigerlich in die selbst gewählte Hölle und damit in das ewige Getrenntsein von einem liebevollen Miteinander und damit von Gott.“

Im Fegefeuer lernen die Seelen das Lieben

Ebenso verhält es sich mit den Zuständen des Fegefeuers und des Himmels. Hier fasst die Glaubenslehre der katholischen Lehre kurz zusammen: „Während die Seele im Fegefeuer noch lernen muss, was es heißt, uneigennützig zu lieben, dürfen sich die Seligen im Himmel an der ewigen Gottesschau und damit an der reinen, auf ein Gegenüber ausgerichtete Liebe erfreuen. 

Der himmlische Zustand ist also nichts anderes als die echte, erfahrbare Liebe, die sich darin zeigt, dass man sein Gegenüber glücklich sehen will und dafür alles, wirklich alles tun würde, nur um dieses Gegenüber glücklich zu machen. Da Gott der Inbegriff der Liebe ist, hat er mit seinem stellvertretenden Leiden und Sterben am Kreuz genau das getan: 

Mit diesem vollkommenen Liebesakt schuf er denen, die trotz Sündenfall zu ihm wollen, die Möglichkeit, zu ihm zu gelangen. Und das, obwohl der Sündenfall ja eigentlich die erste, aber eben nicht absolute Wahl ohne Gott ist.“ 

Soweit also die kurze, aber keinesfalls vollständige Zusammenfassung der Lehre der katholischen Kirche zur Frage, was denn nun Fegefeuer, Himmel oder Hölle eigentlich sind. Ob es am Ende das Fegefeuer, den Himmel oder die Hölle als Seelenzustand wirklich gibt, das wird der Leser wohl für sich selbst entscheiden müssen. Zumindest aber die Annahme, dass die katholischen Obrigkeiten ihren Gläubigen aberwitzige Glaubensvorstellungen vom ewigen Leben und der Auferstehung vermitteln, konnte hoffentlich nachhaltig beseitigt werden.