Leitfaden: Katholisch fasten durch das Jahr – so geht´s!

Leitfaden: Katholisch fasten durch das Jahr – so geht´s!





In der katholischen Kirche wird im Laufe des Kirchenjahres immer wieder mehr oder weniger streng gefastet: vor allem in der österlichen Bußzeit, in der aber sonntags (wie jeden Sonntag) fastenfrei ist. Der Freitag ist in der katholischen Kirche ein Abstinenztag, außer, wenn er auf ein Hochfest fällt. Dann gilt es nicht zu fasten, sondern zu feiern (selbstverständlich maßvoll). Vor der Fasten- und Bußpraxis schrecken viele zurück. Schade, denn das Fasten tut nicht nur dem Leib gut. Im Fasten liegen viele Gnaden und ein außerordentlicher Segen. Und auch die geistige Gesundheit profitiert enorm von der Fastenpraxis. Jesus selbst hat gefastet. Und wir sollten das auch tun. Vor allem Fastenkurse in Klöstern und Fastentage während Exerzitien können sehr lehrreich sein, wenn man das Fasten für sich entdecken möchte.

Vom Sinn des Fastens

Fasten um des Fastenwillens? Nein, das kann nicht sein. Warum erlässt die Kirche also solche Gebote?

Sie gibt uns eine Antwort in ihrer Liturgie, in den Fastenpräfationen:

Wir sollen uns in Bußgesinnung durch vermehrtes Gebet, Werke der Frömmigkeit und der Liebe auf die Feier des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Christi zu Ostern vorbereiten und so „mit geläutertem Herzen“ Gott näher kommen. Gott hilft uns, „das Böse zu überwinden“, „durch das Fasten des Leibes“ hält er „die Sünde nieder“, „er macht die teuflische List des Versuchers zunichte und lässt uns die Bosheit des Feindes durchschauen.“ Gott erhebt uns den Geist und „schenkt uns von neuem die Reinheit des Herzens.“ „Die Entsagung mindert in uns die Selbstsucht und öffnet unser Herz für die Armen.“

Christus selbst hat „durch sein Beispiel diese Zeit der Buße geheiligt“, als er 40 Tage lang in der Wüste fastete (vgl. Mt 4,1 f). Buße ist keine Erfindung der Kirche, sondern wird schon vom Herrn verlangt: „Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15 b)

Das Fasten soll uns zur wahren Freude in Christus führen (vgl. Phil 3,1). Will uns dieses Tun nicht recht froh machen, dann stimmt womöglich etwas daran nicht. Ist vielleicht eine gewisse Selbstgefälligkeit oder ein Zur-Schau-Stellen dahinter? „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten.“ (Mt 6,16)

Fasten hat mit Askese zu tun. Wir verzichten auf an sich Erlaubtes, um das in sich Unerlaubte (= die Sünde) leichter zu meiden.

Wie kann unser freiwilliges „Fasten“ neben dem bloß vorgeschriebenen nun konkret aussehen?

Der beste Schutz gegen Überheblichkeit sind kleine, verborgene, aber immer wieder geübte Opfer (vgl. Mt 6,18). Diese können - je nach Möglichkeit und Grad der Liebe - durchaus verschieden sein. Einige Anregungen:

Öfterer Messbesuch auch an Werktagen, Besuchung des Allerheiligsten, Einschränkungen und Verzicht bei Genussmitteln (Alkohol, Zigaretten, Kaffee, Süßigkeiten …) und bei üppigen oder besonders schmackhaften Speisen, bewusste Fernsehaskese oder Einschränkungen bei Musik und Internet, Besuch bei Alten, Kranken, Einsamen, Unrecht ertragen, verzeihen, Spenden für Hungernde, bereitwilliges Ertragen von Schmähungen und Kränkungen ...



Papst Johannes Paul II. hat wiederholt zur Solidarität mit den Armen und Hungernden in der Welt aufgerufen: Der Glaube muss von konkreten Werken begleitet sein. Es ist daher auch nötig, sich der schweren Geißel des Hungers in der Welt bewusst zu werden, um neue Initiativen zu ergreifen und die bestehenden zu unterstützen, damit allen Hungernden Hilfe gebracht wird. Der Papst ist überzeugt, dass wir nur dann am Brot des ewigen Lebens, nämlich an Jesus Christus, Anteil zu haben verdienen, wenn wir teilen: Nur so können wir eines Tages für würdig befunden werden, alle gemeinsam an Gottes himmlischem Tisch zu sitzen.


Österliche Bußzeit (=Fastenzeit)

Weisungen zur Bußpraxis, zur Sonntagsfeier und zur Osterkommunion



1. Aschermittwoch und Karfreitag

Der Aschermittwoch und der Karfreitag sind Fast- und Abstinenztage. Der katholische Christ beschränkt sich an diesen Tagen auf eine einmalige Sättigung (Fasten) und verzichtet auf Fleischspeisen (Abstinenz). Die Verpflichtung zum Fasten betrifft Erwachsene vom vollendeten 18. Lebensjahr bis zum Beginn des 60. Lebensjahres. Das Abstinenzgebot verpflichtet jeden Katholiken vom vollendeten 14. Lebensjahr bis zum Lebensende. Entschuldigt ist, wer durch Krankheit, auf Reisen, am fremden Tisch oder durch schwere körperliche Arbeit am Fasten oder an der Abstinenz gehindert ist. Neben der einmaligen Sättigung ist am Fasttag zu den beiden anderen Tischzeiten eine kleine Stärkung erlaubt.

2. Fastenopfer

Jeder Christ soll je nach seiner wirtschaftlichen Lage jährlich, womöglich am Ende der österlichen Bußzeit, ein für ihn spürbares Geldopfer für die Hungernden und Notleidenden geben.

3. Die Freitage des Jahres

Alle Freitage des Jahres sind im Gedenken an das Leiden und Sterben des Herrn kirchliche Bußtage, an denen der Christ zu einem Freitagsopfer verpflichtet ist; ausgenommen sind die Freitage, auf die ein Hochfest fällt (z. B. Erscheinung des Herrn, Aufnahme Mariens in den Himmel). Zum Freitagsopfer ist jeder Katholik vom vollendeten 14. Lebensjahr bis zum Lebensende verpflichtet. Das Freitagsopfer kann verschiedene Formen annehmen: Verzicht auf Fleischspeisen, der nach wie vor sinnvoll und angemessen ist; spürbare Einschränkung im Konsum, besonders bei Genussmitteln; Dienste und Hilfeleistungen für den Nächsten. Das durch das Freitagsopfer Ersparte sollte mit Menschen in Not brüderlich geteilt werden. Auch eine andere spürbare Einschränkung im Konsumverhalten ist denkbar. Das Zeugnis eines gemeinsamen Freitagsopfers hat zudem seinen besonderen Wert. Kirchliche Häuser, Ordensgemeinschaften und geistliche Vereinigungen können hier ein Beispiel geben. Dem Sinn des Freitagsopfers entsprechen auch: Gebet und andere Frömmigkeitsübungen, eine wirkliche Einschränkung und der Dienst am Nächsten.

4. Bußsakrament

Das Bußsakrament ist das vom Herrn gestiftete Sakrament der Versöhnung. Bei allen schweren Sünden ist sein Empfang unerlässlich. Unter schwerer Sünde versteht die Kirche, dass sich der Christ in wichtiger Sache bewusst und frei gegen Gottes Willen und Ordnung entscheidet, wie sie in der Kirche verkündet werden; denn durch solches Tun wendet er sich von Gott und der Gemeinschaft der Kirche ab. Wer sich in schwerer Sünde von Gott abgewandt hat, muss umkehren und sich durch den Empfang des Bußsakramentes versöhnen lassen, ehe er zum Tisch des Herrn hinzutritt. Auch denen, die sich keiner schweren Sünde bewusst sind, empfiehlt die Kirche, in Zeitabständen, in denen das eigene Leben noch überschaubar ist, das Bußsakrament zu empfangen.

5. Bußgottesdienst

Bußgottesdienste sollen im Leben jeder Gemeinde einen festen Platz haben. Im Advent und in der österlichen Bußzeit sollen sie der entfernteren Vorbereitung auf die kommenden Hochfeste dienen. Bußgottesdienste haben so einen eigenständigen Charakter. Sie sind aber kein Ersatz für das Bußsakrament.




6. Feier des Sonntags

Ein katholischer Christ ist verpflichtet, an jedem Sonntag und gebotenen Feiertag die heilige Messe mitzufeiern. An Sonn- und Feiertagen ohne schwerwiegenden Grund die Eucharistiefeier zu versäumen, ist eine ernsthafte Verfehlung vor Gott und der Kirche. Wo wegen des Fehlens eines geistlichen Amtsträgers oder aus einem anderen schwerwiegenden Grund die Teilnahme an einer Eucharistiefeier unmöglich ist, wird empfohlen, dass die Gläubigen an einem priesterlosen Wortgottesdienst teilnehmen, wenn ein solcher in der Pfarrgemeinde gemäß den diözesanen Vorschriften gefeiert wird (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nummer 2181 und 2183).

7. Osterkommunion

An Ostern feiert die Kirche in der Freude des neuen Lebens gemeinsam das große Fest der Erlösung: Tod und Auferstehung des Herrn. Darum soll jeder Christ wenigstens einmal im Jahr, und zwar in der österlichen Zeit (Aschermittwoch bis Pfingstsonntag) in voller Weise an der Eucharistiefeier teilnehmen, indem er auch zum Tisch des Herrn geht.