Ablauf, Symbolik und Bedeutung der Eucharistiefeier

Vom Altarkuss übers Kreuzzeichen bis hin zum Schuldbekenntnis: Der Ablauf der Heiligen Messe ist voll von Riten und Symbolen. Doch was bedeuten sie?








Für gläubige Katholiken ist der regelmäßige Gottesdienstbesuch in Verbindung mit der Eucharistiefeier (Heilige Messe) eines der größten Gnadengeschenke, die sie von Christus ihrem Herrn geschenkt bekommen haben. Aus diesem Grund empfinden sie den Gottesdienstbesuch auch weniger als Pflicht als vielmehr als eine Einladung, der sie nur zu gerne nachkommen – nirgendwo sonst, so glauben sie, kommt ihnen die Heilige Dreifaltigkeit (Gott) näher als während der Eucharistiefeier, deren feierlicher Höhepunkt neben dem Hochgebet der Empfang der eucharistischen Kommunion bildet. Doch was feiern Katholiken währen der Heiligen Messe genau? Wie gestaltet sich der Ablauf der Eucharistie und was bedeuten die verschiedenen eucharistischen Riten und Symbole während der Eucharistiefeier?
Das Sakrament der Eucharistie – es gibt keine wesentlichen und unwesentlichen Elemente

Katholiken feiern während der Eucharistiefeier eine dreifache Gegenwartsweise Jesu: nämlich die Gegenwart Jesu im mystischen Leib seiner Kirche (den Gläubigen), die Gegenwart in seinem Wort (Lesung) sowie die Gegenwart Jesu in der Eucharistie selbst (Leib und Blut). Während der Eucharistiefeier gibt es keine wesentlichen und unwesentlichen Elemente – jeder Teilabschnitt ist gleich wichtig und bereitet den anderen vor.

Der feierliche Einzug: Kreuz, Evangelienbuch, Kerzen, Weihrauch und Altarkuss



Während des feierlichen Einzuges, bei dem ein Christuskreuz vorangetragen wird, sollen sich die gläubigen Katholiken an die Worte der Heiligen Schrift erinnern und daran, dass der Menschensohn am Ende der Tage wiederkommen wird. Der Priester oder Diakon trägt das Evangelienbuch als Zeichen, dass Gott mit seinem Wort gegenwärtig ist und jedem Gläubigen etwas zu sagen hat. Während das Licht der Kerzen Christus symbolisieren soll, der die Dunkelheit und Sorgen der gegenwärtigen Zeit und jedes einzelnen Betenden hinwegnehmen will, steht der Weihrauch für die Anbetung, die Ganzhingabe und Verherrlichung Gottes. Der feierliche Einzug wird mit dem Altarkuss des Priesters beschlossen – die Gemeinde wird eingeladen, selbst ihr Gewissen zu erforschen: Welchen Kuss werden sie Jesus geben? Einen Judaskuss oder doch einen echten Freundschaftskuss?

Die Messfeier: Kreuzzeichen, Priestergruß und Schuldbekenntnis



Mit dem Kreuzzeichen zu Beginn der Messfeier erneuern die anwesenden Katholiken ihre Taufgnade. Mit dem Priestergruß "Der Herr sei mit euch" erinnert der Priester als Haupt der versammelten Gemeinde die Gläubigen an die leibhafte Gegenwart Christi. Die Gläubigen fordern den Priester mit ihrer Antwort "Und mit deinem Geiste" auf, seine Priesterweihe zu erneuern. Priester und Gemeinde gehen also ein korrespondierendes Miteinander ein, um die Gegenwart Christi zu feiern. Damit Christus mit seinem Heiligen Geist innerhalb des mystischen Leibes (der Kirchengemeinde) auch wirken und seine Gnade fließen lassen kann, dürfen die Gläubigen nicht in der Sünde stehen. Aus diesem Grund folgt an dieser Stelle der Heiligen Messe das Schuldbekenntnis, das lässliche Sünden tilgt – die Seele wird von der Schuld gereinigt. (Himmelschreiende Sünden oder Todsünden sind hier nicht eingeschlossen. Schwere Schuld bedarf den Empfang des Sakramentes der Buße. Gläubige, die schwere Schuld auf sich lasten haben, dürfen zwar an der Heiligen Messe, nicht aber an deren Höhepunkt, der Heiligen Kommunion, teilnehmen). Der Priester bekräftigt das Schuldbekenntnis seiner Gemeinde mit einer zusätzlichen Vergebungsbitte. (Viele Gläubige klopfen sich beim Schuldbekenntnis als symbolischer Akt drei Mal auf die Brust.)

Im Anschluss an das Schuldbekenntnis und der priesterlichen Vergebungsbitte folgen weitere wichtige Riten, die den Katholiken auf die Höhepunkte der Eucharistiefeier vorbereiten sollen.

Höhepunkte der Eucharistiefeier: Wandlung und Heilige Kommunion


Nach dem feierlichen Einzug, dem Kreuzzeichen, dem Priestergruß und dem Schuldbekenntnis, das durch die zusätzliche Vergebungsbitte des katholischen Priesters bekräftigt wird, folgen der Kyrios-Ruf, das Tagesgebet sowie der Wortgottesdienst, die Predigt und die Gabenbereitung. Im Anschluss daran versammeln sich die Katholiken, um gemeinsam den Höhepunkt der Eucharistiefeier zu
Kyrios-Ruf, Gloria und Tagesgebet

Im Kyrie wird wie beim Gloria, das außerhalb der Fastenzeit mit dem Kyrie Eleison verbunden ist, der Herr begrüßt und gepriesen – die Gläubigen bringen dadurch zum Ausdruck, dass nur Gott alleine alle Ehre gebührt. Der Kyrie-Ruf ist gleichzeitig auch Ausdrucksform des Epiphaniegedankens (Erscheinung der Gottesherrlichkeit unter den Gläubigen). Nur in der Advent- und Fastenzeit sowie an Bußtagen entfällt das Gloria. Zu allen anderen Zeiten ist es fester Bestandteil der Heiligen Messe. Das darauf anschließende Tagesgebet sammelt und vereint alle stillen Gebete der Anwesenden und wird als erster Höhepunkt der Eucharistiefeier vom Priester stellvertretend für alle Gläubigen gesprochen. Es schließt den Eröffnungsteil der Heiligen Messe ab.

Wortgottesdienst, Predigt und Apostolisches Glaubensbekenntnis



Es folgt der Wortgottesdienst, zu dessen Beginn der Lektor mit dem Öffnen des Evangelienbuches an die Apokalypse erinnert. Die Gemeinde soll sich bewusnd so das Wort Gottes zu hören und zu verstehen. Und weil es eben Gott ist, der hier zu der Glaubensgemeinde spricht und ihr Sündentilgung durch die Lesung verspricht, verhalten sich die Gläubigen entsprechend ehrfurchtsvoll. Der Antwortpsalm, der nach der ersten Lesung rezitiert wird, soll den Wesenskern der Schriftstelle verinnerlichen. Weil Jesus während der zweiten Lesung nicht nur gegenwärtig ist, sondern selbst aus dem Evangelium zu den Gläubigen spricht, stehen die Gläubigen jetzt auf. Es ist dem Priester oder Diakon vorbehalten, Jesu Worte vorzulesen. Kerzen und Weihrauch symbolisieren auch hier wieder die reale Gegenwart des Herrn. Es folgt der Kuss des Evangelienbuches, für den dasselbe gilt wie für den Altarkuss: Die Katholiken sind aufgefordert, dem Wort Gottes gehorsam zu sein und sich diesem hinzugeben. Nachdem die Gläubigen den Priesterruf "Evangelium unseres Herrn Jesus Christus" mit "Lob sei dir Christus" beantwortet haben, setzen sie sich, um die Predigt zu hören und im Anschluss daran, gemeinsam das Apostolische Glaubensbekenntnis zu sprechen.
Fürbitten, Gabenbereitung, Präfation und Sanctus

Direkt im Anschluss auf das Apostolische Glaubensbekenntnis folgen die Fürbitten, die ein Beten mit Vollmacht darstellen. Die Fürbitten während der Eucharistiefeier sind das stellvertretende Eintreten für die Welt. Sie sollen aber auch die Herzen der Katholiken für die Sorgen der Welt öffnen. Während der Fürbitten wird nicht nur an die Katholiken gedacht, sondern an alle Menschen: Ungläubige werden genauso in die Gebete mit eingeschlossen wie Kranke, Verstorbene oder auch Machthaber. Die Gabenbereitung leitet den zweiten Teil der Heiligen Messe beziehungsweise Eucharistiefeier ein. Während der Priester die Schale mit den Hostien und den Kelch mit dem Wein erhebt und Gott dankt, sollen die Gläubigen sich ebenfalls für Gott vorbereiten – sie sollen sich Gott nun voll hingeben, um das Geheimnis der Eucharistie und das Geschenk Gottes an sie voll auskosten zu können. Wenn der Priester seiner Glaubensgemeinde zuruft "Erhebet die Herzen", sollten diese beim Antwortruf "Wir haben sie beim Herrn" wirklich voll und ganz auf die Heilige Dreifaltigkeit ausgerichtet sein. Es folgt die Präfation (feierliches Vorwort) und das Sanctus (Heilig, heilig, heilig, bist du Gott, Herr aller Mächte und Gewalten!).
Transsubstantiation (Wandlung), Hochgebet und Friedensgruß

Während der Priester die Wandlung der Gaben vollzieht, damit diese wirklich zu Leib und Blut Christi werden, knien die Katholiken nieder. Es folgt das Hochgebet, in dem der Priester für den gesamten mystischen Leib, also für die Kirche im Ganzen, betet. Die Katholiken sollen hier mit gläubigem Herzen mitbeten. Im Anschluss an das Hochgebet stehen die Katholiken auf, um das "Vater unser" zu sprechen. Der Zusatz "Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit" soll eine ökumenische Verbindung zu den nichtkatholischen Christen herstellen. Es folgt ein kurzes Rüstgebet für den Frieden der ganzen Kirche. Gleich darauf sind die Gläubigen dazu eingeladen, sich gegenseitig den Friedensgruß zu spenden. Dafür reichen sie sich mit den Worten "Friede sei mit dir" gegenseitig die Hände.
Die heilige Kommunion und Schlusssegen

Der Priester bricht nun die Hostie, was das Gebrochenwerden Christi am Kreuz symbolisieren soll, und taucht diese in den Kelch ein, um die beiden vorher getrennten Gestalten miteinander zu verbinden. Die Katholiken beten oder singen dabei das "Lamm Gottes". Alle Katholiken, die keine schwere Schuld auf sich lasten haben, dürfen die Heilige Kommunion empfangen. Aber auch sie bekennen mit den Worten "Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach", dass sie im Grunde nicht würdig sind, den Leib Christi zu empfangen. Die Heilige Kommunion zählt zu den absoluten Höhepunkten der Eucharistiefeier und wird von den Katholiken wahlweise per Hand- oder Mundkommunion empfangen: Katholische Christen glauben nicht nur an die reale Gegenwart Christi während der Heiligen Messe, sondern auch an die reale Fleisch- und Blutwerdung Christi nach der Wandlung – sie glauben also, den Leib und das Blut Christi zur Vergebung ihrer Schuld wirklich zu empfangen. Zudem sind Katholiken davon überzeugt, dass Jesus während der Eucharistiefeier in der gleichen Bereitschaft wie damals für jeden Gläubigen das blutige Opfer auf sich nimmt, um diesem das ewige Leben schenken zu können. Im Anschluss an den Empfang der Heiligen Kommunion sprechen die Gläubigen für sich ein stilles Dankgebet, um kurz darauf den Schlusssegen vom Priester zu empfangen.