Von leeren Händen und Bäuchen – ein Kommentar zur Fastenzeit

Manche fürchten die Fastenzeit, manche – zumeist wenn es um den Versuch geht, abzuspecken und so eine Strandfigur für den Sommer zu bekommen – ersehnen sie. Es sind 40 Tage, in denen es eigentlich nur darum geht, Jesus nachzuahmen, oder besser gesagt, bei ihm zu sein, der selbst in der Wüste gefastet und gebetet hat.

Es geht nicht darum, ob ich schlanker werde oder abnehme – es geht darum, dass ER in meinem Leben zunimmt und größer wird. ER muss wachsen. Freilich bedeutet das oft, dass ich mich kleiner machen muss. Hunger und Durst, mancher Verzicht und oft auch unvermeidlicher Schmerz lassen mich spüren, dass mein Ego noch immer der Mittelpunkt ist, um den ich selbst kreise – nicht ER. Wir sind keine Yogis, die asketische Höchstleistungen vollbringen müssen. Wir sind Jünger Jesu, die geistliche und manchmal auch materielle Armut spüren sollen, um sich dann vom Herrn beschenken zu lassen. 


Fasten, Gebet und Almosen sind Hilfen, damit unsere Hände leer werden, und Jesus sie füllen kann. Wichtiger als die konkrete Umsetzung der folgenden Vorschläge ist die Liebe, die sich in Taten ausdrücken und zeigen soll; es zählt der Glaube, der in Werken wirksam wird.

Fasten – Ballast abwerfen


Vom Fasten spricht man nicht nur, wenn es ums Essen geht. Auch der Verzicht auf Fernsehen, Handy und Radio sowie der Umstieg vom privaten Auto zu öffentlichen Verkehrsmitteln kann gemeint sein. Trotzdem hat die Abstinenz von Speisen eine besondere Bedeutung, die ihr die Heilige Schrift beimisst. Jesus selbst fastete ja 40 Tage in der Wüste bis ihn hungerte.

Auch wir sollten uns in der Fastenzeit nicht scheuen, Hunger zu spüren und durch dieses Opfer unser Gebet, wie der Herr selbst verspricht, noch fruchtbarer zu machen. Dieses Fasten kann verschiedene Formen annehmen: Nur eine einmalige Sättigung am Tag und zwei kleine Stärkungen (das ist die kirchliche Fastenvorschrift für Aschermittwoch und Karfreitag), nur Wasser und Brot (oder vielleicht nur Obst und Gemüse) zu sich nehmen oder mit der sättigenden Mahlzeit bis zum Abend warten.

Natürlich ist der Verzicht auf Süßigkeiten, Kaffee und Alkohol ein Opfer, das auch dem Leib guttut und manchmal mehr schmerzt als das eigentliche Fasten.

Gemeinsam fasten und beten - für Jesus!


Johannes Hartl, katholischer Theologe und Leiter des Gebetshauses in Augsburg, lädt dieses Jahr in besonderer Weise dazu ein durch Gebet und Fasten für Europa vor Gott einzutreten. Europe shall be saved – Europa soll gerettet werden, heißt die Initiative, die Christen einlädt, im Vertrauen auf die Macht des Gebetes und des Fastens um die – so wörtlich – "Errettung von 100 Millionen Seelen" zu bitten.

"Seele" und "Rettung" – das sind Begriffe, die man selbst am Sonntag in der Kirche kaum mehr hört. Ja, manche schrecken vor ihnen zurück, wie der Teufel vor dem Weihwasser, weil diese Worte daran erinnern, dass jeder Mensch eine unsterbliche Seele hat, also nicht nur hormongesteuerter Leib ist, und diese geistige Wirklichkeit im Tod nicht zerstört, aber doch auf ewig verloren gehen kann. Seelen retten – nicht vom Aussterben bedrohte Schmetterlingsarten im Amazonasgebiet – ist der Auftrag Christi an seine Kirche; dafür ist er am Kreuz gestorben!

SOS – Save Our Souls


Eine solche Rettungsaktion, wie sie das Gebetshaus in Augsburg initiiert, – gerade in diesem Jubiläumsjahr, in dem wir uns an die Mahnungen Mariens in Fatima erinnern, für die Sünder zu beten und zu opfern – verdient es, verbreitet zu werden und v.a. selbst begeistert mitzumachen: "Wir träumen von 10.000 Männern und Frauen, die im Zeitraum 1. März - 9. April um Erweckung in Europa fasten und beten. Es sind die 40 Tage vor dem jüdischen Pessah-Fest und die christliche Fastenzeit vor Ostern. 40 Tage Jesus-Fasten für eine Jesus-Bewegung.

Wie kann man konkret mitmachen? Indem man täglich die prophetische Aussage betet "Europe shall be saved!", "Europa soll gerettet werden!" und täglich mindestens 5 Minuten in diesem Anliegen betet. Außerdem durch Teilnahme an einer ausgedehnten Zeit des Fastens. Dies kann entweder eine 40-tägige Fastenzeit am Stück sein, oder, wem das nicht möglich ist, eine oder mehrere mehrtägige Fastenzeiten innerhalb dieser 40 Tage."

Gebet – Gott begegnen


Im Mittelpunkt der Vorbereitung auf Ostern steht das Gebet, also die persönliche Begegnung mit Gott.

Hier einige Tipps für die Fastenzeit:


  • Täglich in der Heiligen Schrift lesen

  • Sich angewöhnen, beim Verlassen des Hauses das Kreuzzeichen mit Weihwasser zu machen

  • Ein Jesusbild oder ein kleines Kreuz auf den Schreibtisch legen, um immer wieder an ihn erinnert zu werden. Ein passendes Stoßgebet kann dann sein: "Ich danke Dir, Herr Jesus Christ, dass Du für mich gestorben bist. Ach, lass Dein Kreuz und Deine Pein, an mir doch nicht verloren sein!"

  • Täglich einen Bibelvers auswendig lernen und immer wieder im Laufe des Tages beten

  • Ein geistliches Tagebuch führen und 40 Tage lang die Geschenke notieren, die Gott mir bereitet

  • 10 Minuten eher aufstehen, um den Tag mit Gott im Gebet zu beginnen

  • Freitags den Kreuzweg beten

  • Jeden Tag um 15.00 Uhr innehalten und, die hl. Schwester Faustina spricht von der Stunde der Barmherzigkeit, an den Tod Christi denken und um seine Gnade bitten

  • Vor dem Einschlafen ein gutes, geistliches Buch lesen (Nachfolge Christi, Philothea, Heiligenlegenden und Biographien großer Christen)

  • Täglich einen kurzen Besuch in einer Kirche machen und Jesus, der im Tabernakel gegenwärtig ist, anbeten und sei es nur durch eine andächtige Kniebeuge

  • Täglich den Rosenkranz, oder einen Teil davon, beten (evtl. auf dem Weg zur Arbeit)

  • Täglich – auch in schwierigen Momenten – Gott loben, preisen, danken, … um von mir selbst weg und auf ihn zu schauen, der gut, schön und unendlich liebenswert ist


Almosen – sich verschenken


Unter dem Begriff des Almosens fallen die guten Werke, die wir für andere tun. Der heilige Ignatius sagt in seinen Exerzitien, dass die Liebe mehr in Taten als in Worten besteht. Die Fastenzeit ist eine Schule tatkräftiger Nächstenliebe



  • Jeden Tag, wie die Pfadfinder, eine gute Tat

  • Beim Zeitunglesen für die Opfer von Kriegen und Naturkatastrophen beten

  • Dem ersten Bettler, den ich treffe, einen Euro in den Hut legen (und sollte er das Geld für eine Dose Bier ausgeben, sei es ihm nicht übel genommen…)

  • Dinge verschenken, die mir wichtig und wertvoll sind, so dass ich den Schmerz des Verzichts spüre (alte Fotos, besondere Bücher, Erinnerungsstücke)

  • 10 Prozent – den biblischen Zehnten - meines Einkommens spenden

  • Zeit verschenken: Mit Nachbarn ins Gespräch kommen, alte Bekannte anrufen, Briefe (statt E-Mails) schreiben, meine Hilfe alten oder kranken Leuten anbieten, lästige Kollegen geduldig und besonders freundlich ertragen

  • Komplimente machen: Jeden Tag jemandem etwas Gutes oder Schönes sagen, um ihm Freude zu bereiten. Segnen heißt im Lateinischen benedicere – gut (zu jemandem) reden


Opfer – das Kreuz umarmen


Der Begriff des Opfers, obwohl er im Mittelpunkt unseres christlichen Glaubens steht, ist aus dem Alltag vieler Katholiken verschwunden und nur sehr selten wird darüber gepredigt. Jesus hat durch sein Opfer am Kreuz die Welt erlöst und in jeder hl. Messe wird eben dieses Opfer gegenwärtig. Christsein bedeutet den Herrn als Erlöser anzuerkennen und sich – mit all den vielen Sünden und Sorgen – unter sein Kreuz zu stellen. Ganz bewusst sollen wir das tun, indem wir oft und gern, nicht nur sonntags, die hl. Messe mitfeiern und, auch wenn wir keine schweren Sünden zu bekennen haben sollten, zur Beichte gehen.

Jesus, der am Kreuz dürstet, kann von uns getröstet werden, wenn wir ihm unsere Liebe schenken, ja fast möchte man sagen, im Tragen des eigenen Kreuzes beweisen. Es geht nicht um große Schmerzen, sondern um große Zeichen der Liebe. Wichtiger als das Opfer, das wir bringen, sind Liebe und Vertrauen. Gerade in diesem Jubiläumsjahr der Erscheinungen Mariens in Fatima, die immer wieder Werke der Buße und Sühne erbeten hat, ist es empfehlenswert, gerade in der Fastenzeit das Opfer wiederzuentdecken: zuerst das Opfer des Kreuzes in der hl. Messe, dann aber auch das meine, das ich auf die goldene Patene legen und als Tropfen Wasser in den Kelch fallen lassen darf.

- Krankheiten geduldig(er) ertragen

- Nicht schlecht über andere reden (und sich auf die Zunge beißen, um es nicht zu tun)

- Kalt duschen (brrrh – ist sogar gesund)

- Zu Fuß gehen und auf dem längeren Arbeitsweg den Rosenkranz beten

- Speisen am Tisch nicht salzen und auf Maggi in der Suppe verzichten

- Wasser statt Cola, Fencheltee statt Kaffee trinken

- Kniend beten oder sogar die Arme ausbreiten (wenn man alleine ist und ohne krampfhafte Quälereien)

- Eine kleine Fußwallfahrt machen

- Auf Fleisch und Wurst verzichten (oder Marmelade und Nutella) und stattdessen nur ein Butterbrot zum Frühstück essen

- Treppen steigen statt den Lift benützen

Wichtiger als diese Opfer ist, um es noch einmal zu unterstreichen, die Gesinnung mit der man sie darbringt. Deswegen ist es wichtig, bei all diesen kleinen Bußwerken zu beten und sie, fast scheint es ein altmodischer Begriff zu sein, aufzuopfern, indem man sagt: Für die Bekehrung der Sünder, für meine kranke Tante, für meine zweifelnde Freundin Katrin, für den Papst, um viele gute Berufungen usw. Man kann in der Fastenzeit diese Opfer und Gebete sammeln, in dem man z. B. bei der Gewissenserforschung am Abend ein kleines Reiskorn für jedes gute Werk bzw. Opfer in eine Schale legt (vgl. http://www.catholicnewsagency.com/news/how-rice-bowls-can-build-a-culture-of-encounter-this-lent-25321/) oder 10 Cent in die Spardose wirft. An Ostern ist das ein Geschenk für den Herrn – als symbolische Gabe oder als konkrete Hilfe für ein soziales Projekt.

(Quelle: CNA Deutschland)

Wissenschaftler der Astronomie sagen: Außergewöhnliche Planetenkonstellation lässt an die Offenbarung 12,1 erinnern!

Computer der Wissenschaftsdisziplin Astronomie (nicht abergläubische Astrologie!) haben errechnet: Offenbarung der Bibel erscheint am Firmament! Der Himmel weist auf Maria hin!

Jupiter tritt ins Sternbild der Jungfrau
Offenbarung der Bibel wird wahr! Der Himmel weist auf Maria hin!


Am 20. November 2016 trat der Planet Jupiter in das Sternbild der Jungfrau ein und bleibt dort bis zum 23. September 2017. Jupiter ist das Symbol des höchsten Gottes, des großen Königs, des Herrn des ganzen Universums. Er verweilt etwas mehr als neun Monate in der "Jungfrau": die Zeit, in der ein Kind unter dem Herzen der Mutter heranwächst. Wie sollte man als Christ darin nicht eine Anspielung auf die Menschwerdung des Gottessohnes erkennen, der im Schoß Mariens heranwachsen wollte, um dann von ihr geboren zu werden?

Die Schrift bezeugt uns, dass die Sterndeuter aus dem Orient in den Sternen die Geburt eines Herrschers in Israel erkennen konnten. Hier geht es nicht um Astrologie – also um abergläubische Zukunftsdeutung – sondern um die Beobachtung der Gestirne und die Frage, welche Botschaft der Herr durch seine Schöpfung uns sagen möchte. Vielleicht wollte es Gott seit der Erschaffung der Welt, als er damals schon an den neuen Adam und die neue Eva gedacht hatte, dass in unserer Zeit der Himmel ganz buchstäblich auf Jesus und Maria hinweist. Ihretwegen ist ja, wie die franziskanische Schule des Sel. Duns Scotus lehrt, der gesamte Kosmos erschaffen worden.

Interessant ist in der Tat, dass diese außergewöhnlichen Ereignisse mit der 100-Jahrfeier der Erscheinungen von Fatima zusammenfallen. Am 13. Oktober 1917, als sich Maria zum letzten mal den drei Kindern zeigte, hat sie sich in gewisser Weise als die von Johannes geschaute Frau offenbart und ein weithin sichtbares Sonnenwunder gewirkt.

Ende des heiligen Jahres, Ende der Barmherzigkeit?


Jupiter trat am 20. November 2016 in das Sternbild der Jungfrau. Es war der letzte Sonntag im Kirchenjahr, das feierliche Ende des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Wenn die pilgernde Kirche auf Erden die Pforten schließt, die als offene Türen des Vaterhauses die Menschen eingeladen haben, zu Gott heimzukehren und sich mit ihm zu versöhnen, öffnet sich gewissermaßen der Himmel.

Auch das sagt der heilige Johannes in den Versen unmittelbar vor der Vision des "großen Zeichens": "Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet, und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar" (Offb 11, 9). Die Bundeslade, die Gottes Thron und Ort seiner geheimnisvollen Anwesenheit war, ist Maria. Sie hat wirklich Gott getragen. Das Jahr der Barmherzigkeit ging 2016 zu Ende, aber der Himmel bleibt allen offen, die nach Hause finden wollen und Vergebung suchen. Wir befinden uns nun in einem "marianischen Jahr" – so könnten wir vielleicht sagen – in dem Maria, wie sie es ja in Fatima getan hat, dazu aufruft, sich zum Herrn zu bekehren.

Ihr Zeichen wird am Himmel sichtbar, damit endlich der Sieg der Liebe, der "Triumph ihres Unbefleckten Herzens", anbreche, den sie vor 100 Jahren verheißen hat und den wir gerade heute, in dieser Zeit des Unfriedens und der Verwirrung, so sehr ersehnen.

Zwölf Sterne krönen die Jungfrau


Am 23. September 2017, dem Tag also an dem die außergewöhnliche Planetenkonstellation enden wird, also Jupiter aus der "Jungfrau" heraustritt, kommt es dazu, dass sich die Sonne hinter dem Sternbild der Virgo erhebt, während unterhalb der Mond sichtbar sein wird.

Über der "Jungfrau" formen die neun Sterne des "Löwen" zusammen mit den Planeten Venus, Merkur und Mars eine Krone. Diese Konstellation entspricht genau dem, was Johannes als "großes Zeichen" am Himmel geschaut hat: Die Jungfrau bekleidet mit der Sonne, der Mond zu ihren Füßen und eine Krone von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.

Moderne Computerwissenschaft hat es möglich gemacht, den Lauf der Sterne genauestens vorherzusagen!


Adveniat Regnum Mariae – Möge das Reich Mariens kommen! Die moderne Computerwissenschaft hat es möglich gemacht, die Bahn der Sterne und die Konstellationen, die sie auf ihrem Lauf bilden, genauestens zu berechnen und "vorherzusehen". Falsch wäre es, würde man nun in apokalyptische Zahlenspielchen verfallen, um Ereignisse der Zukunft vorhersagen zu wollen. Vielmehr sollten uns die wunderbaren Zeichen am Himmel – wie übrigens jedes Naturschauspiel, sei es ein herrlicher Sonnenaufgang in den Bergen, sei es ein in allen Farben des Regenbogen glitzernder Wasserfall – in Staunen über die Schönheit und Güte ihres Schöpfers versetzen.

Wieso sollten wir nicht annehmen dürfen, dass Gott diese außergewöhnlichen Sternenkonstellationen des kommenden Jahres geplant hat, um auf seine Tochter, Mutter und Braut zu verweisen und uns an die "mit der Sonne bekleidete Frau", die vor 100 Jahren in seinem Auftrag zur Erde kam, zu erinnern und ihre Botschaft erneut zu bestätigen? Unser staunender Blick zum Himmel – im buchstäblichen und geistlichen Sinn – zeigt uns Maria, die Mutter der Barmherzigkeit, deren Mission mit dem Abschluss dieses Heiligen Jahres nicht enden wird.

Tun wir, wozu sie uns in Fatima aufgerufen hat: "Betet täglich den Rosenkranz und hört auf, Gott zu beleidigen, der schon so sehr beleidigt worden ist." Erwarten wir voller Freude den Triumph ihres Unbefleckten Herzens, den Sieg der wahren Liebe. Sie hat’s versprochen. Adveniat Regnum Mariae – Möge das Reich Mariens kommen!


Quelle: CNA Deutschland: Ein großes Zeichen am Himmel – Wenn die Sterne von Maria sprechen

Zum Weiterrecherchieren: Einen weiteren interessanten Beitrag über das marianische Sternenbild aus der Offenbarungsschrift sowie über weitere Zeichen unserer Zeit finden Sie hier: Das Zeichen des Menschensohns

Fegefeuer, Himmel und Hölle: Was ist das eigentlich?

Im Himmel frohlocken die Engel, im Fegefeuer brennen die Sünder und in der Hölle schmoren die Unverbesserlichen? 

Auch wenn es sicher den einen oder anderen Katholiken gibt, dessen Jenseitsvorstellung in diese Richtung geht, so lehrt der Katechismus der katholischen Kirche im Grunde etwas ganz anderes: Laut Kirchenlehre sind nämlich weder das Fegefeuer noch der Himmel und schon gar nicht die Hölle als eine greifbare Örtlichkeit zu verstehen. 

Die physische Vorstellung der jenseitigen Welt ist wohl das Resultat einer so nie gewollten bildlichen Übertragung der katholischen Glaubenswahrheiten. Die katholische Kirche lehrt zwar die Realexistenz der Hölle als ewige Seelenpein, aber eben keinesfalls als Ort der körperlichen Qualen – denn, und da sind sich die Theologen einig: Eine körperliche Pein ohne Korpus kann es gar nicht geben. 

Salopp gesagt: Wo kein Körper, da auch keine körperlichen Qualen. 

Ja, aber was sind Fegefeuer, Himmel und Hölle denn dann?

Fegefeuer, Himmel und Hölle – ein erfahrbarer Seelenzustand


Ohne um den heißen Brei zu reden, will der Katechismus und damit die Glaubenslehre der Katholiken seinen Gläubigen auf die Frage, was denn nun Fegefeuer, Himmel und Hölle nun sei, eine mindestens so schlagfertige wie einleuchtende Antwort geben: 

Fegefeuer, Himmel und Hölle sind keine Orte, sondern Seelenzustände. Aha. Seelenzustände also. Und wie ist das im Konkreten zu verstehen?

Fegefeuer, Himmel und Hölle als persönliches Universum


Zusammengefasst könnte man sagen: „Ohne einen physischen Leib ist die menschliche Seele ihrer von außen einströmenden Sinneseindrücke beraubt. Da gibt es nichts mehr zu sehen, zu spüren oder zu hören. Was bleibt, ist der eigene, erfahrbare Seelenzustand. Und der kann reinigend, himmlisch oder eben auch höllisch sein.“ 

Die Kirche lehrt also keinesfalls Orte, an die Gott die Seelen nach ihrem körperlichen Tod verweist. Sie versucht vielmehr zu erklären: „Die Seele wählt ihren Aufenthaltsort aufgrund ihres geführten Lebenswandels selbst. Menschen, die sich schon zu Lebzeiten nicht für ihre Mitmenschen interessierten, werden wohl auch nach dem Tod kein Interesse an einem trauten Miteinander haben. Wie auch? Sie wissen ja gar nicht, was das ist. Sie haben diese Erfahrung schlicht nie gemacht. Diese in ihrem vollen Umfang ausschließlich auf sich selbst bezogene Lebensführung führt unweigerlich in die selbst gewählte Hölle und damit in das ewige Getrenntsein von einem liebevollen Miteinander und damit von Gott.“

Im Fegefeuer lernen die Seelen das Lieben

Ebenso verhält es sich mit den Zuständen des Fegefeuers und des Himmels. Hier fasst die Glaubenslehre der katholischen Lehre kurz zusammen: „Während die Seele im Fegefeuer noch lernen muss, was es heißt, uneigennützig zu lieben, dürfen sich die Seligen im Himmel an der ewigen Gottesschau und damit an der reinen, auf ein Gegenüber ausgerichtete Liebe erfreuen. 

Der himmlische Zustand ist also nichts anderes als die echte, erfahrbare Liebe, die sich darin zeigt, dass man sein Gegenüber glücklich sehen will und dafür alles, wirklich alles tun würde, nur um dieses Gegenüber glücklich zu machen. Da Gott der Inbegriff der Liebe ist, hat er mit seinem stellvertretenden Leiden und Sterben am Kreuz genau das getan: 

Mit diesem vollkommenen Liebesakt schuf er denen, die trotz Sündenfall zu ihm wollen, die Möglichkeit, zu ihm zu gelangen. Und das, obwohl der Sündenfall ja eigentlich die erste, aber eben nicht absolute Wahl ohne Gott ist.“ 

Soweit also die kurze, aber keinesfalls vollständige Zusammenfassung der Lehre der katholischen Kirche zur Frage, was denn nun Fegefeuer, Himmel oder Hölle eigentlich sind. Ob es am Ende das Fegefeuer, den Himmel oder die Hölle als Seelenzustand wirklich gibt, das wird der Leser wohl für sich selbst entscheiden müssen. Zumindest aber die Annahme, dass die katholischen Obrigkeiten ihren Gläubigen aberwitzige Glaubensvorstellungen vom ewigen Leben und der Auferstehung vermitteln, konnte hoffentlich nachhaltig beseitigt werden.

Das Sonnenwunder von Fatima – das sagen die Skeptiker und der Vatikan

Das Sonnenwunder und die
Erscheinungen von Fatima – Betrug oder
etwa doch ein Zeichen Gottes?
Fatima, am 13. Oktober 1917: Schätzungsweise 70.000 Menschen schauen gebannt in den Himmel und können kaum glauben, was sie da sehen: Die Sonne dreht sich rasend schnell um ihre eigene Achse und verursacht ein prachtvolles Farbenspiel.

Die helle Scheibe, wie die Sonne von den Anwesenden wahrgenommen wird, scheint kurz darauf im Dreieck zu hüpfen, bevor sie sich stetig vergrößernd in Zickzackbewegungen auf die Menge zubewegt, um sich sogleich, ebenfalls in Zickzackbewegungen, wieder zurückzuziehen.

Das Sonnenwunder von Fatima – So haben die Menschen reagiert


Was hier wie ein mystisches Märchen klingt, wird genau an jenem 13. Oktober für zahlreiche Reisende, die Fatima aufgrund des angekündigten Wunders als Skeptiker, Reporter, Wissenschaftler oder auch Gläubige besuchten, zur unumstößlichen Realität. 

Ein Großteil der Pilger war aus Neugierde, nicht aus Glauben gekommen. Nie hätten sie geglaubt, dass das Wunder tatsächlich eintrete. Im Gegenteil. Nicht wenige Schaulustige – vor allem die anwesenden Journalisten und Wissenschaftler – machten sich bis kurz vor dem Sonnenwunder, lautstark über die Leichtgläubigkeit und Naivität der frommen Bevölkerung lustig, die den Worten der drei Seherkinder Lucia, Francisco und Jacinta im Vorfeld Glauben geschenkt hatten. 

Genau jene belustigende Überheblichkeit schien jedoch augenblicklich einer reumütigen Gesinnung zu weichen, als sich herausstellte, dass sich wie vorher angekündigt um exakt zwölf Uhr tatsächlich ein Wunder ereignete. Und das vor tausenden von Zeugen. 

Von der Erkenntnis ihres Irrtums tief ergriffen sackten die einen betend, die anderen weinend auf die Knie und baten Gott um Vergebung ihrer Sünden – ein Schauspiel, das vor allem in Anbetracht der Masse der Menschen doch sehr eindrucksvoll in Erinnerung der Augenzeugen blieb.
Skeptiker glauben nicht an das Sonnenwunder von Fatima

Auch wenn noch so viele Anwesende das Sonnenwunder von Fatima bezeugten, es war wohl die Tatsache des offensichtlichen Wunders, das aufgrund seines übernatürlichen Ursprungs vor allem nicht anwesende Skeptiker auf den Plan rief. Sie waren und sind sich auch heute noch sicher: 

Das Sonnenwunder von Fatima ging auf eine Massenhalluzination zurück. Immerhin sei die Erwartungshaltung eine nicht zu unterschätzende Komponente bei augenscheinlich paranormalen Ereignissen. Außerdem hätten auch Astronomen das Schauspiel wahrnehmen müssen. Einige Wissenschaftler glaubten das Fatimaphänomen auch natürlich erklären zu können und vermuteten unter anderem, dass Staubwolken von der Sahara die optischen Effekte bei Fatima verursachten.

Und was sagt der Vatikan zum Sonnenwunder von Fatima?


Und wie steht der Vatikan zu Fatima? Nach jahrelanger strenger Prüfung erklärte die römisch-katholische Kirche das Sonnenwunder von Fatima am 13. Oktober 1951 als authentisch und damit echt. In diesem Zusammenhang interessant zu wissen ist auch, dass Papst Pius XII. einen Tag vor der Dogmaverkündung "Mariens Aufnahme in den Himmel" am 31. Oktober 1950, also ein Jahr vor der römisch-katholischen Anerkennung Fatimas, selbst ein Sonnenwunder wahrgenommen haben will. 

Dieses soll jenem von Fatima sehr ähnlich gewesen sein. Das päpstliche Sonnenwunder, das Papst Pius XII. zunächst nur wenigen Vertrauten und einigen Kardinälen offenbarte, ereignete sich in den Vatikanischen Gärten und soll sich mehrmals wiederholt haben. 

Papst Pius XII. sah darin nicht nur eine Bestätigung des Mariendogmas, sondern sicher auch einen Hinweis bezüglich weiterer Entscheidungen, was die Anerkennung vonseiten der katholischen Kirche in Sachen Sonnenwunder von Fatima betraf.

Sehenswerte Filme und Dokumentationen zum Thema Sonnenwunder in Fatima


Neben dem Spielfilm "Die Erscheinungen von Fatima" sind vor allem auch die beiden Dokumentationen "Die Hirtenkinder von Fatima" sowie "... leben für Fatima" für all jene sehenswert, die sich eingehender mit dem Phänomen Fatima beschäftigen möchten.




Ein weiterer Filmtipp: Leben für Fatima

Wundersucht und Wunderscheu – beides ist nicht gut!

Wundersucht und Wunderscheu – beides
ist ungesund!

Wundersucht und Wunderscheu – beides ist nicht gut!


Im Gespräch über wirkliche und mögliche Wunder in unserer heutigen Welt wird oft sehr bald der Warnruf "Wundersucht!" erhoben. Mit diesem Schreckschuss kann man bequem der Tatsachenfrage aus dem Weg gehen und die Grundsatzfrage nach dem etwaigen Sinn von Wundern und ihrer Tragweite entwerten.

Da ist ein Blick auf die Textseite des Neuen Testamentes, wenn man sie im Sinne der heiligen Verfasser zu lesen bereit ist, sehr lehrreich. Es wäre kaum zuviel gesagt, wenn man von einer approbierten Wundersucht des Volkes im Bericht der Evangelisten sprechen wollte.
Die Synoptiker behandeln sich nicht thematisch, aber dann und wann lassen sie sie deutlich sichtbar werden, ohne sie tadeln zu können. Bald schildern sie deren Entstehung im Volk, bald ihre Auswirkung und die weiteren Folgen für Jesus und das Volk selbst.
Als Auftakt zur Bergpredigt bringt Matthäus einen markanten "Sammelbericht". "Jesus durchzog ganz Galiläa, lehrte in ihren Synagogen, verkündete die Heilsbotschaft vom Reiche und heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen im Volke. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in ganz Syrien. 

Und sie brachten alle Leidenden zu ihm, alle, die von den verschiedensten Krankheiten und Schmerzen geplagt waren, Besessene und Mondsüchtige und Gelähmte, und er heilte sie. Und ganze Scharen folgten ihm, aus Galiläa, der Dekapolis, Jerusalem, Judäa und aus dem Land jenseits des Jordans" (4,23-25).



Ist das wirklich nur Wundersucht?


Wundersucht oder doch gesunder Glaube?
In einem anderen Zusammenhang nennt auch Markus fünf oder sechs Landschaften, aus denen die Menschen an den See zusammenströmten, "da sie von seinen Taten gehört hatten" (3,7). Schon am Anfang seines Buches berichtet Markus: "Da erstaunten alle und sagten: 'Was ist das? Eine neue Lehre voll Macht. 

Sogar den unreinen Geistern befiehlt er, und sie gehorchen ihm.' Und die Kunde von ihm drang bald überallhin in die ganze Umgegend von Galiläa ...

Als es Abend geworden war, nach Sonnenuntergang, brachte man alle Kranken und Besessenen zu ihm. Die ganze Stadt war an der Türe versammelt. Und er heilte viele, die an Krankheiten aller Art litten, und trieb viele Dämonen aus...Simon und seine Gefährten eilten ihm nach, fanden ihn und sprachen zu ihm: "Alle suchen dich" (Mk 1,27 f. 32 f. 36 f).
Und später: "Da sprach er zu seinen Jüngern, es solle wegen der Volksmenge ein Boot für ihn bereitgehalten werden, damit sie ihn nicht erdrückten; denn er heilte viele, so dass alle, die von Leiden gequält waren, sich auf ihn stürzten (irruerent in eum), um ihn anzurühren" (Mk 3,9f).
Bei anderer Gelegenheit: "Und wie sie aus dem Boot stiegen, erkannte man ihn gleich und lief in der ganzen dortigen Gegend umher und begann, die Kranken auf Bahren dorthin zu tragen, wo man hörte, dass er sei. Und wo er in ein Dorf oder eine Stadt oder ein Gehöft kam, legten sie die Kranken auf die Plätze nieder und baten ihn, dass sie wenigstens die Quaste seines Gewandes berühren dürften. Und alle, die sie berührten, wurden geheilt" (Mk 6,54 ff). Sie suchten Wunder, fanden Heilung durch Gott und den Zugang zum Wort Jesu.

Auch heute kann es eine ähnliche, nicht tadelnswerte "Wundersucht" geben. Sie sucht den Herrn der Herrlichkeit. Sie freut sich über die Verlebendigung des Glaubens, der im Druck der Alltäglichkeit und unter Anfechtungen leicht schwach wird. 

Menschen, die Zeugen einer Heilung waren, sind voll Dank und Freude über die Macht Gottes. Diese Freude vermehrt die Opferkraft, stärkt die kirchliche Haltung, vertieft das Verhältnis zu den Sakramenten, trägt die Kraft bei zum pflichttreuen Leben und zur Geduld. Die Erfahrung, dass nicht nur Naturgewalten im starren Wechsel der Jahre und die unentbehrlichen Einrichtungen der Technik das Leben beherrschen, erhebt das Denken und Vertrauen in die Nähe der Sprache der Psalmen und der ganzen Geschichtswelt der Bibel. 

Die Welt wird dadurch nicht mysthisch verfälscht, sondern dem Wort Gottes konform. Die Freude am Kommen und Wirken der himmlischen Frau und an den Pfändern ihrer Sorge, Macht und Güte bringt den Aufschwung zur Liebe Gottes, zur Hoffnung.


Die abwegige Wundersucht


Auch die abwegige Wundersucht ist heute eine Wirklichkeit. Vom Glauben abständige Christen, die in ihrer Gewissensunruhe Ausflucht und Zuflucht suchen, sind leicht anfällig für abergläubische oder paranormale oder medial-magische Erfahrungen, Erregungen, Vertröstungen; denn auch ihre Seele kann nicht atmen ohne den Aufblick und Vorgriff in die Transzendenz.

Unter gläubigen Christen gibt es jene Brüder und Schwestern, denen die Kraft zur vertrauenden Ganzhingabe an das vom Vater ihnen bereitete Lebensschicksal nicht ausreicht. Sie "erwarten" noch immer etwas Entscheidendes, das wichtig wäre, das das "Eigentliche" sein müsste, das bis jetzt für sie scheinbar immer noch ausblieb. 

In dieser Wunde einer sittlichen Not, eines irgendwie verweigerten Gehorsams gegen Gott bildet sich das zugleich süße und schmerzende Gift des Hungers nach Sensationen. Es ist zutreffend, aber wenig hilfreich, wenn man solche unruhige Seelen als unangenehme "Typen" bezeichnet, die an allen erreichbaren Wallfahrten teilnehmen und alle erreichbaren Schriften und Blätter verbreiten.
Wo wir die unangenehme Wundersucht feststellen, sollten wir die geistliche Hilfe versuchen, um das Herz zur vorbehaltlosen Hingabe an Gottes Erwählung, Berufung und Führung zu bewegen. Wenn in der Pfarrei und bei Wallfahrten theologisch geschulte und umsichtig orientierte Betreuung und Führung mitspricht, kann vieles geheilt und die Religiosität vertieft werden. Wirklich gefährlich ist die ungesunde Wundersucht der Frommen heute nicht mehr, und zur "Aftermystik" wird sie nur dort, wo der priesterliche Beistand, sei es aus Sachunkenntnis, aus Trägheit oder wegen eines anti-mystischen Affekts fehlt oder verweigert wird.


Eine ungute, unchristliche Wunderscheu




Diese ist ein Übel, das sein Gift tief in das Erdreich der westlichen Christenheit verteilt hat.
Der wuchernde Reliquienkult des Mittelalters mit seiner Wundersucht, oft ein Ersatz für das fehlende Verständnis der Glaubensmysterien, hat durch die Reformation seine längst fällige, aber zu grausame Absage erhalten. 

Bald darauf aber führte die geistige Entwicklung zum kartesianischen Rationalismus, zum Kult der mathematischen und kausal-mechanistischen Weltanschauung der Aufklärungsphilosophie. Durch den Agnostizismus der kantischen Kritik der Vernunft ist das abendländische Denken erst recht erblindet, sofern jene Kritik erklärte, weder die Transzendenz Gottes noch die Realität eines Erfahrungsgegenstandes "erkennen" zu können. 

Nicht wenige Äbte und Bischöfe, Bauherren barocker Klöster und Kirchen und Residenzen lebten und lehrten im Rationalismus der Aufklärer. Das Dogma ihres Deismus besagte, dass Gott in das vollkommen funktionierende Uhrwerk der Schöpfung weder störend noch helfend eingreifen dürfe; Wunder seien logischerweise nicht möglich.

In der breiten Bewegung des Modernismus sammelten sich innerhalb der katholischen Kirche jene Strömungen, die schon im 19. Jahrhundert erneut das katholische Denken an die Philosophie der Zeit angleichen und die göttlichen Mysterien aus dem Glaubensinhalt verdrängen wollten. 

Diese Strömungen, nicht aber die von Papst Leo XIII. gewünschte Erneuerung der Philosophie und Theologie des hl. Thomas gewann an Boden. Vollends hat sich der mathematische Geist der Technik auch weltanschaulich so sehr ausgewirkt, dass ganz allgemein der Sinn für die Mystik und das Wunder verkümmerte.
Die von Gott in so großer Zahl Erweckten, auf mystische Weise Sühnenden, von denen wir oben nur eine Anzahl von Stigmatisierten erwähnten, wurden vom öffentlichen Bewusstsein in der Kirche soviel wie gar nicht zur Kenntnis genommen. 

Der theologische Unterricht in der Ausbildung der Priester kommt auf diesen Gegenstand doch kaum zu sprechen; einfach aus Taktgefühl, aus wissenschaftlicher Anständigkeit und Sauberkeit geht es nicht anders. Der Akademiker, der ja auch der Theologieprofessor und Priester ist, bedeckt diesen Bereich mit züchtiger Scham.

Die pastorale Tragweite der Botschaften an die Päpste, die zur Weihe des Menschengeschlechtes an das göttliche Herz des Erlösers und an das Unbefleckte Herz der Mutter des Herrn geführt haben, und der aus der Weihe entspringende neue "Rechts"-Zustand der Kirche und der Welt vor dem Gnadenthron Gottes beschäftigt wohl kaum einen theologischen Lehrstuhl. 

Da ist es kein Wunder, wenn bei den Ordinariaten Fachleute, nämlich Geistliche mit einer erschöpfenden systematischen Kenntnis der Dinge der Mystik kaum zur Verfügung stehen, die bereit währen, etwaige mystische Fälle mit Wohlwollen, mit Einfühlung, und selbst bei negativen Befunden, liebevoll zu behandeln.


Ein Beispiel von Mystikfeindlichkeit


Nach dem II. Vatikanischen Konzil mag es erlaubt sein, aus weiter zurückliegender Zeit ein Beispiel von Mystikfeindlichkeit bei kirchlichen Stellen ins Gedächtnis zu rufen. 

Der Zweck ist nicht Schmähung, sondern die Bitte, manche heute noch wirksame ähnliche Haltungen zu überprüfen und zur Ehre der Gerechtigkeit und Wahrheit zu ändern.
Das Lexikon für Theologie und Kirche gibt kurz Auskunft: über den Fall des Abbé Vachére in Mirebeau-Poitou. 

Dieser angesehene Priester war 52 Jahre alt, als er bei einem dreijährigen Aufenthalt in Rom zum Ehrenkanonikus ernannt und bei einer Audienz am 17. September 1905 von Papst Pius X. mit ehrenvollen Privilegien ausgezeichnet wurde.
Seine private Hauskapelle in Mirebeau besaß das Herz-Jesu-Bild, das unter dem Titel: "Du wenigstens liebe Mich!" bekannt ist. Am 8. September 1911, morgens gegen 6 Uhr, begann dieses Christusbild zu bluten. Auf der Höhe der Stirn begann Blut auszutreten. Später zogen sich die zahlreichen Blutbahnen über das ganze Gesicht hin bis zur Brust. Auch aus den gemalten Wundmalen der Hände floß Blut nieder. (Es ist zu erwähnen, dass die großen Blutergüsse an dem Tag der gegen den Papst gerichteten freimaurerischen Kundgebungen in Rom stattfanden).

Am 11. Oktober kam der Erzbischof in Begleitung zweier Priester und eines Arztes; alle untersuchten das Bild. Der Arzt nahm Blut und analysierte es. Der Erzbischof fiel auf die Knie und sagte: "Das ist wirklich der Herz-Jesu-Kult, der in einer schmerzhaften Kundgebung beginnt."
Tausende von Menschen wurden Augenzeugen des Geschehens. Gelehrte, Ärzte, Künstler, Vertreter der Wissenschaft und der Philosophie gaben ihre Gutachten ab. Mediziner und Spezialisten machten Analysen der unaufhörlich fließenden, geheimnisvollen Flüssigkeit, und alle stellten fest, dass diese wirklich Blut war. Dieses zeitweise Bluten des Christusbildes endete erst 1921.
Am 16. Oktober 1911 floß aus der konsekrierten Hostie auf dem Altar ebenfalls Blut. Das wiederholte sich am 23. Oktober. Die letzte von achtzehn derartigen "Kundgebungen" war am 18. Februar 1914.
Die vorgesetzte bischöfliche Stelle nahm die Erklärungen der Fachleute in keiner Weise entgegen und stellte auch selbst keine Untersuchungen an. Sie erklärte die Sache mit aller Härte als Betrug. In einer Kanzelverkündigung vom 5. Oktober 1912 wurde der Abbé öffentlich als Fälscher und Gauner diffamiert. Im folgenden Jahr verhängte der Bischof den großen Kirchenbann. Der Apostolische Stuhl erklärte am 22. April 1914, also kurz vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges, der das französische Volk in unvorstellbarem Maße ausbluten ließ, den Abbé zum Excommunicatus vitandus. (Zu einem Exkommunizierten, der zu meiden ist.)


Das Verständnis für Mystik und Wunder


Das Verständnis für Mystik und Wunder ist kein Reservat für Extra-Studien, für Sonderlinge und Frömmler. Es ist für jeden Theologen, ob Professor oder Student, ob Bischof oder Kaplan eine Minimalforderung wissenschaftlichen Standards in der gegenwärtigen Situation der Kirche in einer materialistischen Welt. Denn sonst ist es wenig wahrscheinlich, dass die Masse der Gläubigen in der heutigen Anfechtung von Verfall und Verwirrung eine andere kirchliche Hilfe erfährt als das begütigende Vertrösten auf eine Wendung zum Besseren. Und doch ist die Kraft des Zeugnisses gerade von der "Institution" der Kirche her zu erwarten. Dazu gehört aber auch, dass die Bemühung im Himmel, durch prophetischen Anruf das Volk zu erwecken, vom Amt der Kirche Bejahung und Hilfe erhält und nicht durch Ironie, Verachtung, Verfolgung zunichtegemacht wird.


Kirchliches Prüfen angeblicher Seher


In einem anderen Zusammenhang, römischer Massnahmen betreffend, konnte J. Ratzinger den wohlüberlegten Satz schreiben: "Das Ressentiment, das durch allerlei Fehlentscheidungen...im letzten Halbjahrhundert aufgebaut worden ist, steckt wie eine tief nach innen wirkende Eiterbeule im kirchlichen Bewusstsein" ("Communio" 1/74, 56).

Man darf billig fragen, ob nicht auch die Erfahrung mit Prüfungsmethoden und Entscheidungen örtlicher kirchlicher Stellen inbetreff möglicher Marien-Erscheinungen in manchen Christen ein nachwirkendes Ressentment hinterließ. 

Wenigstens eine bestimmte Form schädlicher Folgen dieses GEfühls der Verstimmung ist überdeutlich sichtbar geworden. Viele Gläubige haben heute, unüberlegt oder klar sehend, den beklagenswerten Mut, in großer Zahl Autobus-Wallfahrten auch an kirchlich nicht anerkannte Orte angeblicher Erscheinungen zu organisieren. Wer kann den geistlichen Schaden ermessen, der überall dort entsteht, wo "fromme" Menschen Willen und Gebot der Bischöfe nicht glauben beachten zu müssen?
Entscheidend für den guten oder bösen Ausgang irgend einer Bemühung des Prüfens angeblich mystischer Fälle ist die vorgefasste Ideologie, die man zur Untersuchung mitbringt.
Wenn ein hochgestellter Geistlicher in Presse und Rundfunk ungestraft La Salette, Lourdes und Fatima als "Aftermystik" charakterisiert, die das Produkt verdrängter Sexualität darstelle, so ist die ideologische Pervertierung handgreiflich.
Wenn von Theologen dem Bischof gesagt wird, mit der Anerkennung einer Marien-Erscheinung würde man sich vor der Wissenschaft unwiderruflich blamieren, so wird darin eine Vorentscheidung erkennbar, die das ganze dort durchgeführte Verfahren unglaubwürdig macht.
Wenn man über den Arzt oder Psychologen, den man zur Prüfung beizieht, nicht sicher weiß, ob er auf dem Boden des Positivismus und des klassischen Freudianismus arbeitet, ist die Methode des Prüfens schon im Kern unsauber. Wenn der Psychologe von den Thesen des Animismus nicht abgeht und von Anfang an mit "Hysterie" und "Eidetik" losschießt, ist er nicht brauchbar, nicht tragbar.



Wie muss das kirchliche Prüfungsverfahren beschaffen sein?


Wie das kirchliche Prüfungsverfahren gegenüber angeblichen mystischen Vorkommnissen beschaffen sein müsse, diese Frage ist in ihrer Wichtigkeit nicht leicht zu überschätzen.
Für Ehenichtigkeits-Klagen gibt es in der Kirche eine genaue Prozessordnung. Die Laisierung eines Priesters verläuft nach neuen und klaren Normen. 

Die höchste kirchliche Stelle in Rom hat am 15. Januar 1971 für sich selbst und die Ortsbischöfe eine Verfahrensordnung erlassen, die Anwendung findet, wo gegenüber theologischen Schriften Lehrbeanstandung und Lehrprüfung notwendig wird.
So könnten auch den Ortsordinarien vom Apostolischen Stuhl klare Normen vorgelegt werden, nach denen das Prüfungsverfahren gegenüber möglichen "Erscheinungen" und "Sehern" durchgeführt werden muss, so dass es der Sache dient, die Betroffenen vor Diffamierung und geistlichen Schaden schützt und das Vertrauen des Volkes zur Kirche wegen ihrer sichtbaren Glaubwürdigkeit aufbaut.


Wichtige Hinweise


Es möge gestattet sein, hier einige Hinweise vorzulegen, die bei Erstellung von Verfahrensnormen hilfreich sein könnten.

1. Die von der Sache betroffenen Personen


Sie sind als getaufte Kinder der Kirche zu betrachten, die ein natürliches Anrecht auf Schutz vor jeglicher Diffamierung, Verfolgung und Bestrafung haben, solange eine schwere Schuld nicht bewiesen ist.

Durch die außerordentlichen Ereignisse geraten jene Personen sofort in Versuchung und geistliche Gefahr (Geltungssucht, Gewinnsucht, dämonische Einflüsse). Als Kinder der Kirche haben sie daher ein Anrecht auf den entsprechenden priesterlichen Beistand zum Schutz und zur geistlichen Führung, die sie abhalten soll von unklugem und schädlichem Verhalten, und sie antreibt zu Ordnung und Pflichterfüllung, Entsagung und Opfer, Demut und Gebet.
Der priesterliche Schutz achte auf mögliche Bedrohung, Verführung, Schädigung, Verleumdung und Rache. Er suche die Sensations-Presse und deren Reporter auch dann fernzuhalten, wenn der Fall als unecht erkannt wird. Das "Heilige" (Bild, Statue, Kruzifix, Tabernakel) muss allen Umständen vor Spott und Profanierung geschützt werden.

2. Der Ortspfarrer


Er darf nicht ohne Nachweis als der Komplize des Betrugs oder als suggestive Gefahr behandelt und wegen des Auftretens von "Visionen" vom Ort entfernt werden. Er soll im Gegenteil vom Bischof ermutigt und beauftragt werden, den Fall im Auge zu behalten, den betroffenen Personen den priesterlichen Beistand zu leisten und aus seiner unersetzlichen Kenntnis der Situation umfassend und fortlaufend zu berichten.
Sobald die Entwicklung der Angelegenheit es erfordert, soll ein theologischer Experte hinzugezogen werden.

3. Die Prüfungs-Kommission


Sie verwaltet die Dokumente, beobachtet und prüft die Personen und Geschehnisse und bereitet das entscheidende Urteil vor.
Das Bestehen und die Zusammensetzung der Kommission soll nicht unnötig geheimgehalten werden. Es sollten Mitglieder ernannt werden, die über Mystik und Pseudomystik hinreichend vorgebildet sind. Das gelegentliche Hinzuziehen eines auswärtigen Fachmannes kann das Ansehen der Kommission nur erhöhen.
Zur rechten Verwaltung der Dokumente ist erforderlich, dass bei der Sammlung, Aufbewahrung und Registrierung der Materialien die Möglichkeit ausgeschlossen ist, Dokumente verschwinden zu lassen, Fälschungen einzubringen, bestochene Aussagen und erwünschte Zeugen zu kaufen. Es sollte der Kommission nicht erlaubt sein, ernsthaftes dokumentarisches Material (Fotos, Tonbänder) von auswärtigen Personen abzuweisen.
Man soll sich ausdrücklich darüber Rechenschaft geben, dass die Möglichkeit ausgeschlossen bleibt, "befangene" Anwälte oder Richter Einfluss gewinnen zu lassen (Befangenheit z.B. aus Rationalismus, Familien-Feindschaft, Konkurrenz-Interessen oder durch Wundersucht).

4. Die Arbeitsweise der Kommission


Sie soll jeden Verdacht der Parteilichkeit und der grundsätzlichen Gegnerschaft vermeiden. Daher soll sie nicht dem Rationalismus der ungläubigen Öffentlichkeit schmeicheln, sondern sich im Sinne des Evangeliums äussern. Sie darf nicht, um "Aufsehen" zu vermeiden und womöglich jahrelanger Arbeit zu entgehen, einen Fall "im Keim ersticken" wollen (Fälle von Krankheit und Betrug erledigen sich ohnehin rasch).
Stets ist das Gewissen der Seher zu achten, das vielleicht irgendwann "Gott mehr gehorchen muss als den Menschen".
Auszusprechende Verbote müssen durch dogmatische oder pastorale Notwendigkeit begründet sein.
Solange Personen nicht schwer gesündigt haben, ist es unmöglich, sie als strafwürdig zu behandeln, sie von der Kommunion auszusperren oder sie zu exkommunizieren.
Negative Tatbestände müssen daraufhin geprüft werden, wie weit sie zu Lasten der betreffenden Seher gehen.
Die neugierige Öffentlichkeit soll weder zum Gelächter über die Ereignisse verleitet, noch zur Wut gegen die Kirche gereizt werden.
Man soll mit Wohlwollen und mit Nachhaltigkeit immer wieder betonen: "Niemand darf öffentlich behaupten, dass die Ereignisse übernatürlich sind, solange die Prüfung nicht abgeschlossen ist". 

Wenn das geschieht, besteht kein Grund, das katholische (!) Beten und das Wallfahren zu verhindern und das Odium der "Sekte" künstlich zu erzeugen. Allerdings ist der priesterliche Beistand für dieses Beten dringend gefordert.

Es ist gewiss eine Tragik für das von Gott angerufene Volk, wenn ein prophetischer Auftrag zu seinem Heil um Jahrzehnte verspätet von der Kirche anerkannt wird (Berthe Petit, Alexandrina da Costa) und dessen charismatisches Werkzeug zur Ehre der Altäre gelangt (Jeanne dÁrc), nachdem die Ausführung des Auftrages versäumt und das angedrohte Unheil nicht abgewendet wurde. "Ihr baut den Propheten Grabmäler, eure Väter aber haben sie getötet" (Lk 11,47). Gott vermag allerdings auch auf anderen Wegen seine Ziele zu erreichen; und das Opfer des Gehorsams gegenüber einer kirchlichen Anweisung, die irrt, wird von Gott zu einem Segen für das Volk Gottes gewandelt.


Die Kriterien des übernatürlichen Ursprungs 


Die Kriterien des übernatürlichen Ursprungs einer Vision oder einer Serie von "Erscheinungen" sind möglicherweise ohne die Gabe der Unterscheidung der Geister und ohne viel Gebet nicht eindeutig wahrzunehmen. Vielleicht sind nicht Einzelsymptome für sich allein entscheidend.

Es ist denkbar, dass der "Geist" der die Summe der Einzelheiten als ein überzeugendes Ganzes verbindet, dass die geistlich-religiöse Bedeutsamkeit, sowie das Gewicht und die Tragweite im pastoralen Bereich die Ereignisse als Werk Gottes ausweisen.

Es ist gewiss erlaubt, nach einem Wunder Ausschau zu halten. Bei den kirchlichen Seligsprechungsprozessen wird die Dokumentation über wunderbare Heilungen verlangt und bearbeitet.

Und der gute Pfarrer von Lourdes bat, es möge in der Grotte von Massabielle im Februar der wilde Rosenstock blühen. Dieser Wunsch erfüllte sich nicht, dafür erlebte der Pfarrer ein kleines Sprachenwunder, indem Bernadette in der Schriftsprache von der "Unbefleckten Empfängnis" redete. 
Ganz außerplanmäßig wurde später ein sterbendes Baby von seiner Mutter minutenlang in das eiskalte Wasser der Quelle gehalten und gesund nach Hause gebracht. So war auf andere Weise doch für ein wünscheswertes Wunder gesorgt.
Das Wirken Jesu in Galiläa war in seinem Gesamt göttlich überzeugend und wunderbar. Trotzdem verlangten die Pharisäer von ihm ein eindeutiges Zeichen vom Himmel, das ihn vor der Behörde beglaubigen sollte. Ob das Zeichen beweiskräftig sein würde, wollten sie dann entscheiden. Setzt er also ein Zeichen, so macht er sich vom Urteil der Pharisäer abhängig; setzt er es nicht, so wird das Volk sagen: "Gott ist nicht mit ihm". Jesus ist von dieser böswilligen Verstocktheit im Innersten schmerzlich getroffen. Er lässt die Prüfer stehen und verlässt im Boot nun endgültig seine Heimat Galiläa (Mk 8,11-13).


Die Grenzen zwischen "natürlich" und "übernatürlich"


Mit Recht wird heute betont, die Grenzen zwischen "natürlich" und "übernatürlich" seien sogar der Wissenschaft vielfach noch unbekannt. Der Bereich natürlicher Kräfte und Möglichkeiten ist viel größer als man früher gewusst hat. 

Manches, was früher als Wunder galt, wird man demnächst als aus natürlichen Voraussetzungen entstanden erwiesen.
Aber auch dann wird die Frage erlaubt sein: Wer übt die Verfügungsgewalt über die bisher verborgenen Naturkräfte aus? 

Auch die Dämonen können sie gelegentlich in die Hand bekommen, und man wird von dämonischen Wundern sprechen müssen. Oder der Wille Christi verfügte darüber, oder der Heilige Geist der Charismen in der Kirche und ausserhalb, oder die Liebe und Macht der Königin des Weltalls und die heiligen Engel.
Man wird dann die "göttlichen" Wunder erst recht nur an ihrem "Geist" und im Kontext des heiligen Geschehens erkennen. Das kirchliche Prüfen von Ekstasen, Visionen, Stigmatisierungen etc. wird sich immer weniger auf die Chemie, die Atmungs- und Stoffwechselgesetze, auf internistische und chirurgische Momente stützen können, und der Hinweis auf mögliche Eidetik und hysterische Halluzination wird zur Sache selbst eindeutige Beweise nicht veranlassen können. Nicht das physikalische "Wunder", sondern der Geist wird Geistiges geistig "beweisen".


Pfarrseelsorge und Untergrund


Verschiedene Vorschläge und Forderungen werden vorgebracht, das Leben der Pfarreien missionarisch zu vertiefen. Kühn ist der Gedanke, die "Volkskirche" abzulösen durch die Gemeindekirche, so dass der einzelne Christ nicht durch Geburt und Volkszugehörigkeit, sondern durch eine große Ganzentscheidung für Gott und Christus zum Gemeindemitglied werden müsste. Aber wie viele "Strukturen" müssten für diesen Zweck abgebaut, und welche neuen Gefüge müssten dafür erstellt werden?
In allen christlichen Ländern beweist die Geschichte der Kirche und die Geschichte der Heiligen, dass die Bekehrung einzelner samt ihren Folgen das christliche Leben der Gemeinden und des Volkes reinigt, hebt, vertieft. So erneuerte sich das Gebet, der Empfang der Sakramente, die allgemeine Moral, und so wurden die in die Breite wirkenden Orden gegründet.


Sünde und Höllenstrafen





Über Sünde und Höllenstrafen wurde früher nicht selten primitiv, manchmal töricht gepredigt. Heute jedoch lebt die Theologie der Sünde und der Heiligkeit Gottes nur noch einsam wie auf einer Insel. Stellenweise redet man so, als ob es die schwere Sünde kaum gebe, und als sei es schon eine Kunst, eine Todsünde zu begehen. Denn manchen erscheint die Entfaltung der Möglichkeiten des Menschen in Freiheit als "das erste und größte Gebot".
In dieser Sicht muss allerdings auch die Versöhnung der Sünder mit Gott, die büßende und sühnende Abtragung der Schuld als eine Bagatelle erscheinen. Dabei muss die Vorstellung von Gottes Sohn als Erlöser verblassen, und die so leicht gehandhabte Rede vom "Heilsgeschehen" steht in Gefahr, zur Phrase zu werden. Gebet und kirchliches Leben erscheint vielen wie unnötig und lästig. 

Der "abständige Christ" war zwar schon immer beinahe eine gängige und "normale" Erscheinung, mit der die Pfarrseelsorge wenig befasst war. Verständlich deshalb, dass es eine "Theologie der Abständigkeit" etwa im Sinne von Hebr. 6,4-8; 10,26-29; 12,22-29 schon früher nicht gab und heute nicht gibt.
Aber die Pfarrei muss organisatorisch und technisch gut eingerichtet sein. Sitzungen, Veranstaltungen und die Vorbereitung der Gottesdienste nehmen dem Priester viel Zeit. Der sichtbare und ansprechbare Teil der Pfarrei, dem die Diener des Amtes ihre Arbeitskraft widmen, sind die Kinder vor dem Eintritt in die "normale" Abständigkeit und die praktizierenden Christen als Kirchgänger.
Nun sind unter den Kirchgängern Leute, die sich interessieren für Privatoffenbarungen, die über die Gefahren der Zeit wegen der Sünden im Volke sprechen. Sie befassen sich mit Pater Pio und anderen Stigmatisierten. Sie lesen über Marien-Erscheinungen in Lourdes und Fatima und andere, die sie für glaubwürdig halten.
Ihr Anliegen ist aber nicht amtlich. Ihre Büchlein und Blättchen wollen und dürfen sie nicht jedermann zeigen. Der Verdacht der Wundersucht trifft sie auch ohne Beweise sehr rasch. Sie erscheinen ungewollt als eine Art Untergrund in der Pfarrei.
Im überpfarrlichen Raum ist es ähnlich. Die großen katholischen Verlage bemühen sich selten, mit ihren Verlagswerken der Sache der praktischen Mystik, der aktuellen Privatoffenbarung, der neuen Marien-Erscheinungen zu dienen. 

Dafür gibt es die kleineren Sonderverlage, deren Arbeit vom Vertrauen ihrer Leserschaft, nicht aber von der kirchlichen Öffentlichkeit anerkannt und getragen wird. Mit diesem Zustand der Dinge wird auch die heilige Mutter Gottes und ihre weltweite Absicht zum Besten der Kirche seit je konfrontiert. Sie erfährt und empfindet, dass ihre Sache in der Öffentlichkeit weder theoretisch noch praktisch Gewicht hat, demzufolge in den Untergrund der Kirche absinkt und zum Schaden der Seelen in der Vergeblichkeit endet.
In der Verfallszeit des 16. Jahrhunderts dürfen nach dem Trienter Konzil die Ignatianischen Exerzitien und die Reformorden im Vordergrund der Kirche aufbauend wirken. Heute sind diese Kräfte weithin gelähmt, der Verfall wird als Übergangserscheinung verharmlost, überhört, übersehen. 

Die siegreiche Technik täuscht pastorale Erfolge vor. Die Hoffnung, dass die Anpassung an die Psyche der Welt Frieden, Einheit und Aufstieg bringen werde auch ohne "Bekehrung", festigt die entschlossene Haltung nicht weniger Priester, den mystischen Untergrund in der Gemeinde zu übersehen und wenn möglich zu ersticken.
Weil aber Maria, die Mutter der Kirche, ihre Sendung zur Rettung der Kirche nicht aufgibt, vervielfältigt sie ihr Kommen und Sprechen zum Volk mit Tränen und Blut, bis endlich doch eines Tages die steigenden Wasser der Wunder und Gnaden aus dem Untergrund vordringen, alle Strukturen mit neuem Leben erfüllen und die Träger des Amtes mit dem Garanten des Amtes, dem Heiligen Geist selbst, konfrontieren.


Verhalten des Priesters zur Mystik





Unstreitig muss die priesterliche Führung des christlichen Volkes eine neue Haltung zur mystischen Wirklichkeit der Kirche gewinnen.

1. Zuallererst ist es eine Notwendigkeit für die Priester, von der Wirklichkeit dessen her, was der Heilige Geist "frei" in der nicht "verfügbaren" heiligen Kirche tut und besitzt, aus ihrer Unkenntnis der mystischen Tatsachen herauszutreten. Sie müssen doch auch, um mitreden zu können, die Fußballgrößen und Schlagerstars kennen.

a) Sie sollen die Leiden der mystisch berufenen Sühnenden kennenzulernen versuchen, angefangen von Bruder Klaus und der Emmerick bis zu Adrienne von Speyr. Sie müssen auch eine Ahnung haben von deren Einblick in die Leiden des Erlösers und die Heiligkeit Gottes, und damit in die Theologie der Sünde. Sonst verblaßt für sie das Schulbuchwissen über Sünde und Erlösung zu einem Papierformular.

b) Sie sollen sich eine Übersicht verschaffen über diejetzt im Volk bekannt gewordenen Orte mit Marien-Erscheinungen und einigermaßen Einblick gewinnen in die dortigen Vorgänge. Sie sollten sich ein verfügbares Wissen aneignen über den Kern der prophetischen Botschaften der Mutter dortselbst.

c) Die Seelsorger sollen in ihrem eigenen Beten und durch ihre Belehrung im Volk die Erinnerung wachhalten, dass Päpste und Bischöfe mit dem Blick auf die Bedrohung der Völker und veranlasst durch Offenbarungen, die Welt und Bistümer dem Herzen des Erlösers und dem Herzen der heiligen Mutter geweiht haben. Sie sagt mit Recht: "Ich verlange, dass die Welt die Weihe lebt."

Das Erscheinen und prohetische Wirken der heiligen Mutter des Herrn geschah in Erfüllung der Verheißung des Beistandes, den Christus seiner Kirche zugesichert hat. Ihr Kommen und Sprechen ist vielgestaltig und wunderbar. Nicht nur die Seher und die Augenzeugen ihrer Ekstasen erlebten es, wir alle verstehen es glaubend:

"Ihr seid hinzugetreten zum Berge Sion und zur Stadt des lebendigen Gottes, zum himmlischen Jerusalem und zu Myriaden von Engeln, zu einer Festversammlung und zur Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel aufgezeichnet sind, und zu dem Richter, dem Gott aller, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu dem Mittler des Neuen Bundes, zu Jesus, und zum Blute der Besprengung, das lauter redet als Abel" (Hebr 12,22-25).

(von Pfarrer A. M. Weigl)

Einladung und Info: Gebet um Barmherzigkeit in der Pfarrkirche St. Martin in Nürnberg

JUBILÄUM DER BARMHERZIGKEIT
- außerordentliches Heiliges Jahr -



      Herzliche Einladung

             zum Gebet
       um Barmherzigkeit







Papst Franziskus hat im März 2015 ein außerordentliches
Heiliges Jahr angekündigt: das Jubiläum der Barmherzigkeit

Das Jubiläumsjahr beginnt am 08. Dezember 2015
mit der Öffnung der Heiligen Pforte im Petersdom (Rom)
und endet am 20. November 2016 mit deren Schließung.

Mein Wunsch ist es, dass das Jubiläum eine lebendige Erfahrung der Nähe des Vaters sei.“ (Papst Franziskus).
Wir wollen dieses Anliegen unterstützen und beten deshalb
einmal im Monat den Barmherzigkeitsrosenkranz.

Wann: jeden 1. Freitag im Monat um 15:00 Uhr
(1.Treffen: 04.12.2015)
Wo: in der Pfarrkirche St. Martin (Ecke Grolandstraße/Rollnerstraße)

Bitte beten Sie mit!

Bus: Linie 46 – Haltestelle Martinskirche
U3: Bahnhof Maxfeld oder Kaulbachplatz



Verantwortlich: Kath. Pfarramt St. Martin, Pfarrer Staudigel, 90408 Nürnberg